Nepalreise

von Matthias Lübke

 

Ganz herzliche Grüße wünsche ich allen Lesern hier aus Nepal.

Nach meiner Indienreise durfte ich gut nordwestlich von Kathmandu, zu den Füßen der Annapurna Bergregion, ankommen.

Wenn ich morgens aus meinem Zelt krieche, dann sehe ich auf die wunderschöne Bergwelt (ca.7000 m) in rötlicher Färbung im Sonnenaufgang. Der Tag beginnt hier sehr früh. Nachbarn und Teilnehmer waschen sich am Wasserhahn (dient als Badezimmer) mit großer Begeisterung schon vor 05:00 Uhr morgens. Dann beten die Teilnehmer und lesen in der Bibel. Die über 60 Hausgemeinden in Nepal, mit denen unsere einheimischen Partner vor Ort arbeiten, sind sehr stark vom Gebet getragen.

Die Schulung der Pastoren aus den Bergregionen hat letzte Woche begonnen und wir genießen die Zeit sehr miteinander. Täglich haben wir 6-7 Schulungseinheiten, was dieses Seminar auf ca. 45 Schulungseinheiten bringt. Neben dem Unterricht gibt es Gespräche und Austausch über die Tätigkeiten der Pastoren und wie es ihren Gemeinden und Aufgabengebieten geht. Wir sind 50 Teilnehmer und studieren miteinander den 1. Brief des Paulus an die Korinther. Michael Stecher (Deutschland) und Marc Badalan (Rumänien) stießen auch noch zu der Schulung dazu. Da sie auch schon letztes Jahr mit dabei waren, war die Freude aller Teilnehmer groß, als sie hier ankamen.    

Es hat mich sehr bewegt die Teilnehmer der Schulung aus den verschiedensten Teilen Nepals wieder zu treffen. Es ist eine sehr lebendige und bereichernde Gemeinschaft mit den Christen aus sehr ländlichen Gebieten in Nepal. Wir können so viel von ihnen lernen.

Das Anliegen dieser Schulung ist Gottes Wort zu lesen und zu studieren. Wir fragen uns, was der Herr persönlich durch Sein Wort zu uns sagen möchte und was es für den Kontext, in dem wir als Pastoren und Mitarbeiter arbeiten, bedeutet. Das wird dann auch in Kleingruppen besprochen und dann der großen Gruppe weitergegeben. Hier ein kleiner Überblick über den Inhalt des Seminars:

Kapitel 1: Paulus stellt sich als Berufener Apostel Jesu Christi vor, der sieht, was den Christen in Korinth alles anvertraut wurde. Er hat die Gemeinde auf seiner zweiten Auslandsreise gegründet (Apg.18). Doch er fand auch Leiterzentrierte Spaltungen in der Gemeinde, die viel Schaden angerichtet haben. Schon im ersten Kapitel legt Paulus das Fundament für sein Brief, dass wahre Einheit in dem Wort vom Kreuz, im Glauben an den gekreuzigten Jesus Christus aufgerichtet wird. Diese Botschaft der Erlösung Jesu Christi macht alle menschliche Weisheit zunichte und richtet den Blick der Leser auf Jesus selbst.

Kapitel 2: Das Geheimnis, dass wir diese frohe Botschaft Gottes verkündigen können, benötigt den Heiligen Geist, der in das Herz Gottes sieht und uns aufschließt, was Gott dem Nachfolger Jesu frei geschenkt hat. Wie wunderbar, wenn wir erkennen, dass wir in der Arbeit Gottes nur durch die Kraft und Erweisung des Heiligen Geistes mitarbeiten können. Jeder EIGENE Einsatz ist umsonst.

Kapital 3: Paulus ist darum so bekümmert, dass in der Kirchgemeinde in Korinth viele Gläubige einfach nicht wachsen, und wie unmündige Kleinkinder die Sitzplätze in der Gemeinde füllen. Die Gemeinde Jesu ist nicht in Gruppen bestimmter Leiter zerteilt, sondern ist das Resultat Gottes, der Menschen in Jesus Christus zu neuen Kreaturen macht. Die Vielfältigkeit unserer Aufgabe die wir haben, die Liebe Jesu in alle Welt weiterzugeben, bereichert und ermutigt uns im Team Jesu. Einer pflanzt, einer bewässert, aber Gott gibt das Wachstum.

Kapitel 4: Hier lernen wir von dem Beispiel eines Sklaven. Dieses Wort wurde auch für einen Sklaven im Schiff der römischen Galeeren verwandt. So nennt sich Paulus.  Er sieht sich als Sklave Jesu Christi und Haushalter der Geheimnisse Gottes. Er lebt als Apostel in völliger Hingabe an Jesus Christus. „Ausverkauft“ an Jesus- und zugleich verantwortungsvoller Haushalter, so wie Josef im Alten Testament als Sklave im Haus des Potifars gedient hat. Obwohl er Sklave war, hat Potifar ihm alles anvertraut, was er besaß. Wir dürfen weitergeben von dem, was Jesus uns mit der Botschaft des Evangeliums anvertraut hat- umsonst und ohne dabei Beachtung oder Ehre zu suchen! Diese Botschaft soll die Gesinnung der Gemeinde in Korinth ändern. Sie sollen nicht Ehre und Ansehen in der Gemeinde suchen! Das hat nichts mit Dienerschaft Christi zu tun.

Kapitel 5: Während die Kirchgemeinde ihre Kraft in Spaltungen verheizt, dulden sie Unsittlichkeit in der Gemeinde, als ob es nicht geschehen wäre. Paulus hatte erwartet, dass sie ein Gemeindeglied, welches in Sünde der Unzucht lebte zur Rede stellen und helfen, dass diese Person Buße tun würde und wieder zu Jesus zurückkommen würde. Gemeindeleben gibt uns Verantwortung der Botschaft und Jesus Christus gegenüber.

Kapitel 6: Konflikte unter Christen sollen nicht vor Gericht geregelt werden. Christen sollen Verantwortung übernehmen, sich untereinander zu helfen, wenn es zu Konflikten kommt, die sie selbst nicht miteinander lösen können.

Der Körper der Nachfolger Jesu ist ein Tempel Gottes, in dem der Heilige Geist wohnt. Wir haben Verantwortung diese Wohnung Gottes nicht mit Unzucht zu entweihen, sondern uns völlig Christus zur Verfügung zu stellen.

Kapitel 7: Bis zu diesem Kapitel hat Paulus sich mit Themen beschäftigt, die ihm für die Gemeinde in Korinth am Herzen lagen. Jetzt geht er in den nächsten Kapiteln auf Fragen ein, die ihm von der Gemeinde in Korinth gestellt wurden.

Betreffs der Ehe lehrt Paulus, dass sie von Gott eingesetzt und in Ehren gehalten werden soll. Die Korinther Christen sollen sich nicht von der Unzucht der Stadt Korinth anstecken lassen, sondern in Reinheit und gegenseitigem Respekt ihre Ehe wertschätzen. Jeder soll aber seinen Ruf zur Ehe oder Ehelosigkeit vor Gott folgen. Die Kultur soll nicht der Auslöser sein für ein Leben in Ehe oder in der Ehelosigkeit. Als Nachfolger Jesu folgen wir seinem Ruf auch in diesen Fragen nach. Wunderbar, wie wir dann diese Fragen im Licht der nepalesischen Kultur behandeln und untersuchen konnten.

Kapitel 8: In Korinth gab es Spaltungen in der Gemeinde wegen der Frage ob man Fleisch essen darf, dass vorher den Götzen in Korinth geopfert wurde. Manche waren sich ihrer Freiheit in Christus so bewusst und stolz darauf, dass sie Andere nicht verstehen konnten, die damit ein Problem hatten und als Folge überhaupt kein Fleisch mehr essen wollten. In diesen Kapiteln geht es um wahre Liebe, die aufbaut und den anderen nicht mit der eigenen Freiheit verdammt und richtet. Es geht nicht um die eigene Freiheit in der Nachfolge Jesu, sondern es geht um die Liebe Jesu Christi. Unsere Verantwortung ist es sie so auszuleben, dass andere Christen dadurch gestärkt werden.

Götzendienst heute: Es gibt immer noch viele Millionen Götzen in Nepal, aber auch andere Götzen, denen viele Menschen auch im Westen dienen wie z.B.: Geld, Lust, Arbeit, Besitz, Unterhaltung, Ansehen und vieles mehr.

Kapitel 9: Paulus erklärt, dass er als Apostel Jesu Christi sein Recht nicht wahrgenommen hat von dem Dienst, zu dem Gott ihn gerufen hat, zu leben. Paulus verkündigt das Evangelium nicht wegen finanziellem Vorteil, sondern weil Gott ihn dazu berufen hat. Die Verkündigung des Evangeliums ist sein Vorrecht und kein Job um Geld zu verdienen. Der Lebensstil eines Verkündigers des Evangeliums ist Jesu Liebe mit den Menschen zu teilen. Das ganze Leben des Paulus war auf dieses Ziel ausgerichtet. Was ist Dein Ziel im Leben?

Kapitel 10: In Christus werden dem, der an Jesus glaubt, alle Vorrechte gegeben, so wie auch dem Volk Israel im Alten Testament. Aber doch fielen sie in Götzendienst und konnten das gelobte Land nicht einnehmen. Sie irrten in der Wüste umher, und machten nicht Gebrauch von der Fülle, die Gott ihnen hat zuteilwerden lassen. Die Kinder Israels hatten den lebendigen Gott in ihrer Mitte, aber sie wählten Götzen, lebten in Unzucht und verloren die Beziehung zu Ihrem Gott und Schöpfer.

Wir lernen heute als Nachfolger Christi, dass wir uns täglich erinnern müssen, dass es CHRISTUS ist, in dem wir reich beschenkt sind, und nicht in irgendwelchem materiellen Segen oder Dinge in unserem Leben. Paulus warnt uns, dass wir nicht Jesus aus den Augen verlieren und uns im Götzendienst unserer Möglichkeiten verlieren.

Fliehet jede Art von Götzendienst, denn es bringt Abhängigkeit, Bindung und Tod.

Kapitel 11: Folgt mir nach, schreibt Paulus, so wie ich Christus nachfolge. Paulus war ein Leiter in der Gemeinde, aber er wollte die Nachfolger Jesu nicht an sich binden, sondern in ein Leben einführen, dass ganz Christus zentriert wie auch sein eigenes Leben.  

Weiter haben wir die verschiedene Rollen von Mann und Frau in der Gemeinde betrachtet und wie das Abendmahl uns immer in dem Tod Jesu vereint, bis ER in Macht und Herrlichkeit wiederkommt.

Kapitel 12: In diesem Kapitel lernen wir, dass wir als Glieder an dem Leib Christi verschiedene Gaben durch den Heiligen Geist verliehen bekommen haben. Sie sollen dazu dienen, dass wir einander in der Liebe Gottes dienen und uns gegenseitig erbauen. Wir vergleichen nicht die verschiedenen Gaben, die der Heilige Geist uns für Seinen Dienst aneinander schenkt, sondern wir wollen uns gebrauchen lassen einander zu erbauen und im Glauben zu stärken.

Kapitel 13: Dieses Kapitel ist sehr bekannt, aber vielleicht nicht oft bedacht, dass es wegen den Problemen in der Gemeinde geschrieben wurde. Auch wenn jemand alle Gaben hat, und die Liebe nicht, dann hilft es nicht. Die LIEBE ist die höchste Gabe, die Gott uns anvertraut und in der alle von Gott gegeben Gaben eingesetzt werden sollen. Die Liebe ist geduldig und freundlich. Sie kennt kein Neid. Sie macht sich auch nicht wichtig und bläst sich nicht auf; sie ist nicht taktlos und sucht sich nicht selbst… Diese Liebe, die hier beschrieben wird, ist die Liebe Jesu Christi.

Kapitel 14: Die Gaben und wie sie der Gemeinde Jesu dienen wird in diesem Kapitel wunderbar beschrieben. Jedes Glied der Gemeinde ist unterschiedlich aber nötig und wichtig. Kein Glied am Körper kann sagen: „Ich brauche dich nicht!“ Wir brauchen einander und sollen unsere Gaben in der Ordnung gebrauchen, die uns Gottes Wort lehrt.

Kapitel 15: Auch wenn manche Gemeindeglieder die Auferstehung nicht als gültig ansahen, machte Paulus es ganz klar, dass die Botschaft Jesu Christi ohne die Auferstehung ungültig und unwahr ist. Wer von der Auferstehung weicht, der weicht von der Erlösung in Jesus Christus, denn sie IST die Botschaft Jesu Christi. Das Kreuz in Kapitel 1 und die Auferstehung in Kapitel 15 umrahmen den ersten Brief des Paulus an die Korinther ein. Evangelium wird so verschieden gebraucht und auch missbraucht für alle möglichen Dinge, aber Paulus macht es den Versen 3-4 ganz klar, was das Evangelium ist: Der Messias Jesus Christus starb für unsere Sünden so wie die Schriften es sagen. Er wurde begraben und am dritten Tag auferweckt, wie es die Schriften gesagt haben.

So wie es die Schriften gesagt haben! Das Wort Gottes ist die Autorität der Botschaft. Die Bibel ist das Wort Gottes, das sich nie ändern wird. Nicht Argumente und Gründe, sondern das Wort Gottes hat Kraft und der Heilige Geist überführt mit dem Wort Gottes, dass unser Leben im Licht der Auferstehung Bestand hat! Ohne die Auferstehung ist alles umsonst. Die Botschaft vom Kreuz und der Auferstehung Jesu bringt LEBEN in Ewigkeit für den, der da glaubt. Das Fundament unseres Glaubens steht und fällt mit dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi! Das predigen und leben wir.

Die Hoffnung, die ein Nachfolger Jesu in der Auferstehung hat, ist auch die Hoffnung, dass Jesus unsere Körper aus dem Grab auferwecken wird wenn er zurück kommt und uns zu sich ruft, alles aber nach der Ordnung Gottes.

Kapitel 16: Am Anfang dieses Kapitels ermutigt der Apostel die Gemeinde in Korinth, dass sie die Christen in Jerusalem bei der damals herrschenden Hungersnot mit einer Geldsammlung unterstützen. Neben seinen Reiseplänen ermahnt Paulus die Christen: Seid wachsam, steht fest im Glauben, zeigt euch mannhaft und stark. Alles was ihr tut soll von der Liebe bestimmt sein (V 13-14).

Paulus zeigt der Gemeinde in Korinth sein „Netzwerk“ in der Arbeit und Dienst Jesu Christi. Er arbeitet als „Netzwerker“ und regt uns heute auch an, dasselbe zu sein. Soli Deo Gloria (Allein Gott sei die Ehre).

 

Unser Seminar ist zu Ende und die Teilnehmer sind wieder gut in ihren Dörfern angekommen. Bitte betet auch für die einheimische Gemeinde. Das Gesetz der nepalesischen Regierung, dass sie ihren Glauben nicht an andere weitergeben dürfen, ist eine große Beraubung der Religionsfreiheit hier in Nepal. Wir dürfen füreinander beten. Und wir im Westen brauchen die Gebete der Nepalesen, dass wir aufwachen für Jesus und IHM ganz übergeben und ausgeliefert dienen und nachfolgen.

Paulus schließt in den letzten Versen des Kapitel 16: Maranatha – unser Herr kommt.

 

Mit ganz herzlichen Grüßen und Dank für Euer Interesse, Matthias Lübke

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