Indienreise

von Matthias Lübke

 

Ich schreibe diese Zeilen aus meinem kleinen Zimmer hier, in einer der Megastädte Indiens. Der Lärm wird auch nachts kaum weniger. Staub, Dunst, ungewöhnliche Gerüche, lautes Hupen, Schreien und Gedränge...und Menschen versuchen hier irgendwie zu leben, oder überleben? Viele Menschen übernachten auf den Straßen, ganze Dörfer etablieren sich unter Brücken, Kinder werden ausgenutzt und zermahlen zwischen den Zahnrädern des „Überlebens“ – etwa in Fabriken, Prostitution und Missbrauch. Wie kann man hier nur leben – überleben?

Belastet und überwältigt von dem, was sich hier vor meinen Augen abspielt, denke ich oft wie wir in Deutschland doch oft auf sehr hohem Niveau „unzufrieden“ sind. Ist das alles, was ich hier erlebe wahr oder nur ein „falscher Film“?

Als ich gestern mit meinem Freund durch die Slums im Zentrum der Stadt ging, und einige Hausbesuche machte, da sah ich die vielen Kinder und auch junge Mädchen, die bald im Geschäft der Prostitution versklavt sein werden. Ich konnte fast nicht mehr atmen. Ich hörte, was über kurz oder lang mit diesen Kindern passieren würde...Was anderes werden viele von ihnen in diesem Viertel nicht kennen lernen. Ich fühlte mich so mutlos und traurig…wie können wir helfen? Doch ganz nebenbei hörte ich, dass allein aus diesen Slums durch unsere Projektpartner dieses Jahr 35 Jungen und Mädchen herausgerettet werden konnten, zur Schule gehen und Hoffnung auf eine neue Zukunft haben. Außerdem werden samstags Gottesdienste für Frauen und Kinder in diesem Viertel angeboten. Msinga e.V. Projekt-Pateneltern ermöglichen es uns, Mitarbeiter direkt in diesen Slums zu unterstützen, die sich in diesen Kindern investieren und Funken der Hoffnung säen. Viele unserer Patenmädchen kommen direkt aus diesen Slums. Trotz allem Leid- durfte ich danken.

Neben Projektbesprechungen, stand auch eine Schulung für ca. 80 Hauskreisleiter auf dem Programm. Ich durfte dabei sehr viel von den Nepalesen lernen und auch erleben, wie sie Nachfolge Jesu in Not und Elend dieser Stadt ausleben. Heute Vormittag (08:00 bis 14:00) durfte ich dann in drei nepalesischen Gottesdiensten predigen. Es war ein Erlebnis für mich.

Unseren nepalesischen Msinga e.V. Patenkindern hier in Indien geht es sehr gut! Ich freue mich so an den Mädchen. Nachdem noch Briefe an die Pateneltern in Deutschland geschrieben wurden und wir zusammen Mittagessen durften, mussten wir leider Ade sagen. Aus diesen Mädchen sprudelt so viel Leben! Es gab Tränen, als ich mich auch von unserem Patenkind verabschieden musste. Ja, Msinga e.V. darf auch eine Stimme für Kinder sein, die selbst keine Stimme haben um gehört zu werden.

Ich danke allen Pateneltern. Durch Euren Einsatz wird diese Arbeit hier ermöglicht. Diese Kinder leben mit neuer Hoffnung. Habt vielen Dank dafür.

Von hier aus geht es weiter nach Nepal, aber Teil meines Herzens wird für immer auch hier bleiben…

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